Das Eintauchen in den Moment

 

Es gibt Sprachen die haben kein Wort für „Vergangenheit“ und „Zukunft“.

In unserer Konsum orientierten Gesellschaft dreht sich sehr viel um die Zukunft.

Kinder sind noch nicht einmal richtig eingeschult, dann werden Sie schon von den Eltern auf die sogenannte Zukunft gedrillt. Sie bekommen nur sehr wenig Raum um sie selbst zu sein, um einfach nur Kind zu sein.

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Die Eltern haben meist schon eine ganz genaue Vorstellung wie die Zukunft ihres Kindes auszusehen hat. So sind wir dann konditioniert immer nur an Morgen und Übermorgen zu denken und ständig zu planen. Das zieht sich durch unser ganzes Leben hindurch…
Und wehe wir entsprechen nicht den Erwartungen der Eltern, später der Gesellschaft, dann fallen wir durch das Raster. So werden schon von Kindesbeinen an, die Grundsteine für Ängste gelegt, die wir dann mühevoll wieder auflösen können.

Später wenn wir langsam älter werden dreht sich sehr viel mehr um die Vergangenheit. Wir schwelgen dann in alten Geschichten, die keiner mehr hören will…  Es beginnt dann das Grübeln, was wäre wenn….. hätte ich nur…. warum habe ich nicht… alles wäre anders wenn…..

Und bis wir uns 3x umgedreht haben, stehen wir am Himmelstor, schauen zurück und kommen zu der Erkenntnis:

Wir haben nie wirklich gelebt. Die ganze Zeit sind wir dem Leben nur hinterhergerannt.

Denn die einzige Wahrheit ist: Das Leben findet immer nur im JETZT statt. Sonst nirgends. Vergangenheit ist vorbei, und die Zukunft ist noch nicht da….

Leben können wir immer nur jetzt. Alles andere sind nur Geschichten in unserem Kopf. Die meiste Zeit im Leben verplempern wir mit Gedanken die uns nicht wirklich weiter bringen. Im Gegenteil sie halten uns sogar vom Leben selbst ab. Die Vergangenheit ist unumstößlich vorbei, nichts aber auch gar nichts können wir daran ändern. Selbst was vor 5 Minuten geschehen ist… vorbei…
Wenn wir dann in der Gegenwart, also im Jetzt über Vergangenes nachgrübeln, was wir hätten anders machen können ec, haben wir wieder den Moment verpasst.. Und somit wieder einen kostbaren Augenblick unseres Lebens.

Und die Gedanken die sich um die Zukunft drehen haben den gleichen Effekt. Wir sind wieder nicht wirklich hier. Wieder sind wir weg vom Moment und somit weg vom Leben. Unser Verstand ist eine brillante Einrichtung, wenn wir ihn gezielt einsetzen für Dinge die Sinn machen. Um uns zu entwickeln und etwas zu lernen…

Grübeln über etwas was längst vorbei ist und grübeln über ungelegte Eier ist nicht sehr effektiv und kostet wirklich viiiiiiiel Lebenszeit.

Wir sollten lernen wirklich zu leben.  Wir haben nur das eine Leben.  Gehen wir kostbar mit der Zeit um.

Sonst müssen wir am Ende auch einen Brief schreiben wie diese alte Frau:

Brief einer alten Frau, was sie anders machen würde wäre sie noch einmal jung:

„Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich versuchen, beim nächsten Mal mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht mehr so perfekt sein, sondern viel entspannter, nachgiebiger. Ich wäre alberner, als ich es bei diesem Trip war.
Es fallen mir nur sehr wenige Dinge ein, die ich so ernst nehmen würde

Ich wäre verrückter und weniger auf Hygiene bedacht. Ich würde mehr Chancen ergreifen, mehr Reisen machen, mehr Berge besteigen, in mehr Flüssen schwimmen. Ich würde Orte besuchen, die ich noch nie gesehen habe. Ich würde mehr Eiskrem und weniger Bohnen essen.

Ich hätte mehr reale und weniger eingebildete Probleme.

Wissen Sie, ich gehörte zu jenen Menschen, die vorbeugende Maßnahmen ergriffen, vernünftig und gesund lebten. Stunde um Stunde. Tag um Tag. Oh, ich hatte meine Augenblicke, und wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich mehr von diesen Augenblicken sammeln. Augenblick um Augenblick.
Ich gehörte zu jenen Menschen, die niemals ohne Thermometer, Wärmflasche, Mundwasser, Regenmantel und Fallschirm unterwegs sind.

Falls ich noch einmal leben könnte, würde ich mit leichterem Gepäck reisen.

Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich im Frühling früher anfangen, barfuß zu laufen, und im Herbst später damit aufhören. Ich würde öfter Karussell fahren, mehr Sonnenaufgänge anschauen und öfter mit Kindern spielen. Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte.

Aber das kann ich nicht… ich bin 95 Jahre alt und weiß, dass ich bald sterben werde.“

Nach Jorge Luis Borges

 

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