Raus aus dem Hamsterrad

 

Hinein in ein selbstbestimmtes Leben

Vor kurzem hat jemand einen ganz genialen Spruch gepostet.

Lieber mit dem Fahrrad zum Strand, als mit dem Mercedes in die Arbeit.

Eigentlich könnte ich jetzt schon diesen Blog beenden. Damit ist alles gesagt. Für mich jedenfalls. Ich weiß aber, dass die meisten Menschen diesen Satz nicht unterschreiben würden. Ich höre ganz oft: Immer Zuhause das ist langweilig, ich möchte unter Leute kommen, ich brauche Abwechslung und Anerkennung.

Sind wir schon so weit, dass wir eine Arbeitsstelle brauchen um beschäftigt zu sein? Brauchen wir einen Chef/Kollegen als Alleinunterhalter? Warum ist es denn Daheim so langweilig?

Vielleicht sind wir es einfach nicht mehr gewöhnt uns mit uns selbst zu beschäftigen. Wir sind seit der Kindheit in dem Hamsterrad gefangen, nicht erst seit dem Berufsleben. Kinder werden von Anfang an bespaßt. Wir überschütten sie förmlich mit Spielsachen, und wenn ihnen dann langweilig wird, haben wir noch jede Menge elektronischer Geräte zur Hand nur um sie ruhig zu stellen. Sie haben gar keine Zeit sich selbst zu beschäftigen oder sich etwas zu suchen was ihnen Freude macht. Na ja die Schule tut dann ihr Übriges. Sollte in der Schulzeit noch ein kleines bisschen Freizeit unausgefüllt sein, dann findet die Muddi oder der Vaddi doch ganz schnell etwas um den Nachwuchs zu fördern. Da werden die Kleinen dann von dem Sportverein zur Musikschule gekarrt. Da bleibt keine Zeit für Kreativität.

Spätestens in der Arbeit ist es dann ganz Schluss mit Lustig. Der Großteil unserer Zeit verbringen wir dann mit Geld heranschaffen. Das ist natürlich nötig um uns mit dem Essentiellen zu versorgen. Aber die Entwicklung zeigt, dass über das Notwendige hinaus noch viel mehr verdient wird, was nicht zum Leben wichtig ist. Die Werbeindustrie versorgt uns täglich mit vielen Wünschen die wir haben  sollen. Wenn man da mithalten will, muss man ins Hamsterrad rein. Sonst funktioniert es nicht. Meist der Mann und die Frau. Die Zöglinge gibt man zu fremden Menschen die sie versorgen.

Unsere Konsumgesellschaft hat sich schon ins Abartige entwickelt. Wir kaufen ständig das Neueste um dann das Alte wegzuwerfen. So entsteht unser Wohlstandmüll.

Wir sollten endlich wieder kritisch werden. Ein Produkt zu kaufen, nur weil die Industrie wieder mal etwas Neues auf den Markt wirft, ist schon ein wenig dekadent. Nicht zu vergessen, dass die Technik nicht immer besser ist in den neuen Geräten. Es wird uns zum Beispiel erzählt, die Waschmaschine verbraucht viel weniger Strom als früher, was geradewegs gelogen ist. Auch die Frage stellt sich, warum früher Waschmaschinen problemlos 20-30 Jahre gelaufen sind, und heute nicht mehr? Ist die Technik rückwärts gegangen, oder ist es gewollt, dass wir die Konjunktur am Laufen halten?

Vielleicht kaufen wir auch nur etwas, weil wir gerne gratis Werbung machen für die Großkonzerne. Spitzensportler bekommen viel Geld dafür, dass sich auf ihrer Bekleidung Firmenlogos befinden. Beim Kauf dieser Produkte ist es genau anders herum, die Kunden bezahlen ein Vielfaches für ein Produkt, das 3 Streifen auf dem Schuh hat, oder einen Apfel aufgedruckt hat. Die Konzerne freuen sich, dass die Kunden ihnen viel Geld bezahlen, damit sie Werbung für sie machen. Im übrigen dürfte bekannt sein, dass sogenannte Markenprodukte, auch Lebensmittel, keineswegs „besser“ sind, oder eine höhere Qualität aufweisen. Diese Firmen produzieren meist auch sogenannte „No Name“ Produkte die viel billiger sind, nur ohne Logo.

Eingangs hatte ich erwähnt, dass viele Menschen sich nicht mehr selbst beschäftigen können. Unsere Häuser sind im Vergleich zu früher wahre Luxuswohnstätten geworden. Mit den tollsten und bequemsten Möbeln, wunderschöner Dekoration und vor allen Dingen mit jeder Menge Unterhaltungselektronik. Früher gab es das alles nicht. Alles war schlicht und zweckmäßig. Die Zeit war ausgefüllt mit sinnvollen Tätigkeiten. In der Freizeit wurde gebastelt, gewerkelt, repariert, gestrickt und noch vieles mehr. Heute können wir alles kaufen, und deshalb ist es uns langweilig.

Sollten wir nicht wieder anfangen, weniger zu arbeiten und mehr zu leben? Nicht vergessen: Wir haben nur das eine Leben, und das kann ganz schnell vorbei sein. Wollen wir wirklich dem Petrus am Himmelstor auf seine Frage, was wir denn so alles getan hätten, antworten:“Wir sind 45 Jahre in die Maloche gerannt und haben den Rest der Zeit damit verbracht das Geld wieder auszugeben“

Wenn zum Beispiel die Ehefrau beim Nachwuchs zuhause bleibt und kocht, was im übrigen immer schon ganz normal war, wird  das Haushaltsgeld auch länger reichen. Fertigprodukte sind viel teurer als frisch zu kochen. Dann kann die Frau auch die Wäsche auf den Balkon hängen und braucht keinen Trockner. Sie braucht vielleicht auch kein 2. Auto. Wenn sie nicht in die Arbeit geht, braucht sie wesentlich weniger Klamotten, Schminke und Frisör. Das Geldverdienen kostet ganz schön viel Geld.

Ich bin kein Prediger fürs Verzichten. Wir können ein super bequemes Leben führen mit allen Annehmlichkeiten. Manchmal reicht es schon aus, die Prioritäten anders setzen.
Zum Thema Langeweile, möchte ich nur feststellen, dass es noch nie eine Zeit gegeben hat, in der uns so viele Möglichkeiten geboten wurden, unser Leben zu gestalten. Ich bin der Meinung für uns alle ist jede Menge dabei.
Wir könnten es auch wieder altmodisch mit einem Waldspaziergang versuchen, statt in einem stickigen Fitnesscentern zu schwitzen. Oder wie wäre es mal mit:“Bankal sitzen“. Diejenigen unter Euch die schon ein paar Jährchen auf dem Tacho haben, können sich noch erinnern. Vor jedem Haus ist eine Bank gestanden, auf der man einfach in der Sonne gesessen ist. Sonst nichts. Sitzen und schauen und ein bisschen ratschn. Was brauchen wir denn mehr?

In diesem Sinne:

Lasst uns wieder mehr Bankal sitzen und mit dem Fahrrad zum Strand fahren !

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